Korrekturaugen

Wie du dich während des Überarbeitens deiner Texte ganz einfach körperlich fit halten kannst

Ich bin fertig mit der Überarbeitung meines aktuellen Romans. Und ich habe sogar noch einen großzügigen zeitlichen Puffer übrig, um am Klappentext zu feilen, den Satz der Druckversion zu verfeinern und so weiter.
„Fertig” bin ich auch körperlich. Aber es hält sich in erträglichen Grenzen, weil ich nach einigen Tagen angefangen habe, mich aktiv und ohne viel Zeitaufwand um ein besseres Körpergefühl zu bemühen.

Wenn du deine Texte veröffentlichst, dann weißt du, dass mehrere „Überarbeitungsdurchgänge” nötig sind, um ein möglichst perfektes Ergebnis zu erzielen.
In der Regel arbeite ich zuerst das komplette Manuskript einmal am Laptop durch und drucke mir die so entstandene Version aus, um diese dann wiederum zu redigieren und im Anschluss in das Dokument einzugeben. Dann arbeite ich nach und nach das Feedback meiner Lektorin und meiner TestleserInnen ab.
Irgendwann mag ich meinen eigenen Text kaum noch lesen, aber ich bleibe dabei, stiere auf den Bildschirm, krümme mich den Buchstaben entgegen und verändere meine starre Haltung höchstens, um auf die Toilette zu gehen. Die innere Anspannung, die gemeinsam mit dem Gedanken „Ich muss es schaffen und es muss (so) perfekt (wie möglich) werden!” auftritt, erschwert die Situation zusätzlich.
So auch dieses Mal.

Nach einigen Tagen hatte ich rote und brennende Augen, einen steifen Nacken und ziehende Schmerzen im rechten Handgelenk. Aber es musste weitergehen. Das Buch sollte am 1. März erscheinen, Lesungen waren terminiert, die Presse informiert – ich hatte keine Zeit zu „verlieren”.
Die üblichen Tipps gegen die negativen Auswirkungen der Bildschirmarbeit brachten mich nicht weiter, da sie nur eine langfristige Wirkung versprachen und zu zeitintensiv waren. Ich wusste, dass Bewegung gut tun würde, aber ich wollte am Laptop sitzen.

Durch Ausprobieren und Recherche bin ich auf einige einfache Hilfen gekommen, die ich hier kurz darstelle.

„Korrekturaugen”
Deine Augen brennen, du möchtest sie am liebsten schließen, obwohl du nicht müde bist und es fällt dir immer schwerer, dich auf den Bildschirm zu konzentrieren. Hier liegt eine Überforderung der Augenmuskulatur vor. „Natürlich” ist es für den Menschen eigentlich, den Blick ständig zu bewegen, die Augen also schweifen zu lassen. Da das während der Arbeit so nicht möglich ist, bietet es sich an, etwa stündlich eine bewusste Auszeit zu nehmen, in der die Augen in die Ferne schweifen dürfen. Es gibt auch ein Trainingsvideo „Yoga für die Augen”, das ich sehr empfehlen kann. Du findest es hier. Wichtig ist auch, in der Freizeit darauf zu achten, dass die Augen sich erholen können. Ich habe zum Beispiel in der letzten Zeit so wenig andere Dinge wie möglich am Bildschirm gelesen und auf eBooks verzichtet.

Schulter- und Nackenverspannungen
Dein Nacken fühlt sich starr an, die Schultermuskulatur brennt und du weißt nicht, wie du dich setzen/stellen/legen sollst, ohne Schmerz zu empfinden. Stress und/oder das Gefühl der Überforderung verschlimmern die Symptome. Neben Wärme (Heizkissen, Tigerbalm oder Wärmesalben) und Druckmassagen (Igelball, Partie nebenbei mit den Händen „durchkneten”, Faszienrolle) möchte ich dir auch für Beschwerden im Schulter-/Nackenbereich ein Übungsvideo „Yoga für den Schulter- und Nackenbereich” ans Herz legen. Du findest es hier.

Handgelenksüberreizung
Nervenschmerzen im Handgelenk können durch die einseitige Handhaltung während der Überarbeitungstätigkeit auftreten. Mit der Hand auf der Maus scrollst du dich textauf- und textab und überforderst damit den komplexen Bewegungsapparat der Hand. Im schlimmsten Fall droht eine Sehnenscheidenentzündung oder ein Karpaltunnelsyndrom. Soweit wollen wir es natürlich nicht kommen lassen, es geht hier „nur” um einen zeitlich begrenzten Zeitraum vermehrter Anstrengung. Ich habe angefangen neben einem passenden Mauspad mit Handgelenkauflage auch eine Handgelenksbandage von Hansaplast zu nutzen. Die gibt es für unter zehn Euro in der Apotheke. Die Bandage wärmt das Gelenk, schützt es und trägt sich sehr angenehm. Meine Beschwerden sind dadurch fast verschwunden. Zusätzlich habe ich regelmäßig „Yoga für die Handgelenke” trainiert. Ein passendes Video findest du hier.

Manchmal kann es notwendig sein, die eigene Komfortzone zu verlassen, um ein Ziel zu erreichen. Wenn dir das, was du tust, Freude macht, darf der Weg dahin ruhig ein bisschen „weh” tun. In „Om Shanti, Wuff” gibt es dazu ein Zitat von Sir Edmund Hillary, das anschließend von Devabodhi, dem Leiter des Yogazentrums, in dem der Roman spielt, interpretiert wird. Lies doch mal rein!

„(…) es geht nicht immer um ein äußeres Hindernis. Manchmal stehen wir uns auch selbst im Weg. Ich habe darum für den heutigen Tag einen Spruch ausgewählt, der uns daran erinnert. Er wird dem berühmten Bergsteiger Sir Edmund Hillary zugesprochen. Ihr kennt ihn vermutlich als denjenigen, der 1953 gemeinsam mit Tenzing Norgay als erster Mensch den Mount Everest bestiegen hat: Nicht der Berg ist es, den man bezwingt, sondern das eigene Ich.
In dem ausgewählten Zitat wird das Wort ‚bezwingt‘ verwendet. Es handelt sich um ein Wort, das in der Welt des Bergsteigens häufig benutzt wird. Ich würde es für das eigene Ich allerdings nicht unbedingt wählen. Ich bezwinge mein Ich nicht, sondern ich ordne es mir – und damit meine ich meinen Bedürfnissen – unter. Hillary will damit sagen, dass Vieles möglich ist, wenn wir uns nicht von unserem eigenen Ich ablenken lassen. Wenn wir einen Berg besteigen wollen, dürfen wir nicht auf unsere Füße hören, die uns vielleicht mitteilen, dass sie schmerzen. Die Füße müssen dann hinter uns zurücktreten. Es gilt hier natürlich eine Balance zu wahren, denn wenn wir unsere Füße immer hinter uns zurücktreten lassen, verweigern sie vielleicht irgendwann ihren Dienst. Ich wünsche euch, dass ihr einen Weg findet, Hindernisse zur Seite zu räumen, um eure Ziele zu erreichen. Und sei dieses Hindernis auch manchmal euer eigenes Ich.”

Copyright Ruby Summer 2018. Alle Rechte vorbehalten. Mönch Berg

 

 

4 Kommentare zu „Korrekturaugen

  1. Das hört sich (liest sich) nach Streß an.
    Wie gut geht es mir da doch. 4-5 Std. gemütlich mit dem Fahrrad durch die Gegend fahren. Hin und wieder ein Foto machen. Dann daheim ganz entspannt am PC sitzen. Im Schnitt 3 Stunden Bilder bearbeiten, einen Bericht dazu verfassen, das Ganze archivieren. Ach ja, Essen kochen habe ich vergessen. Zwischendurch kommen ungezählte E-Mails. Was passiert auf anderen Blloogs? Schau´n mer mal. Das Wichtigste (kein Scherz) … das Ganze macht auch noch Spaß.
    LG Jürgen

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    1. Spaß ist wichtig! Stress ist ja oft eine Sache der Einstellung. Ich schreibe freiwillig und gerne. Trotzdem sträubt mein Körper sich manchmal … Sobald ich es mir leisten kann, werde ich jemanden bezahlen, der meine Romane schreibt, während ich sie ihm im Gehen diktiere. Das wäre mein Traum 🙂
      LG, Ruby

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  2. Das sind tolle Yoga Übungen – muss ich ausprobieren. Und ein gutes Zitat von Hillary, wir bezwingen wirklich immer am meisten unser eigenes Ich …
    Ich merke, dass bei mir die anstrengenden, ungeliebten Aufgaben (wie Korrekturlesen 😉 besser gehen mit
    – regelmässigen Pausen (30, mx 45 Minuten konzentriert, dann Päuschen)
    – Sauerstoff:Fenster auf, Pulli an, zwischendurch draußen mit Hund laufen (Du ja vielleicht auch bald wieder!)
    – Belohnungen („x SEiten schaffe ich noch, dann gönne ich mir meinen Lieblingstee/ ein Bad/ eine Lindor Kugel/ etwas Dussel-Zeitung schmökern“ …)
    LG Ulrike

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    1. Liebe Ulrike, danke für deine Tipps! Stimmt, frische Luft tut auch immer gut, die könnte ich auch noch häufiger zwischendurch reinlassen. Belohnungen funktionieren bei mir auch immer gut – ich musste lachen über deinen Begriff „Dussel-Zeitung“. Ich denke, ich weiß, was du meinst. Die mag ich auch 😉 Liebe Grüße, Ruby

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