„Kinder, seid ihr alle da?“

„Kinder, seid ihr alle da?“ „Jaaaaaa!“

Meine Freundin M. und ich waren gestern mit unseren Kindern im Kasperltheater. Also eigentlich waren wir bei Benjamin Blümchen – aber der Reihe nach.
Seit Wochen hingen die Plakate im ganzen Ort: auf dem Weg in den Kindergarten, zur Oma, zum Einkaufen – von überall lächelte uns eine riesige Benjamin-Blümchen-Figur entgegen.
„Mama, da ist Benjamin Blümchen!”, rief meine vierjährige Tochter jedes Mal aufgeregt. Bei Gelegenheit guckte die Mama (also ich) genauer hin und las, dass es sich um das Gastspiel eines Puppentheaters bei uns auf der Aqua Magica – einer ehemaligen Landesgartenschaufläche, deren Gelände für diverse Feste und Veranstaltungen genutzt wird – handelte.
„Mama, können wir da hin?”

Klar, warum nicht? Wir hatten in den letzten Jahren ja auch weder den Raben Socke, noch die Schlümpfe, noch Petterson und Findus verpasst. Nun also Benjamin Blümchen. M. und ihre Kinder wollten auch hin mit. Sie kannte das aufgeregte „Mama, da ist Benjamin Blümchen!” ebenfalls.
Das Gelände der Aqua Magica ist von uns aus fußläufig zu erreichen. Beschwingt machten wir uns gestern Nachmittag bei herrlichstem Sonnenschein auf den Weg. Vor dem Zelt angekommen schaute ich angestrengt nach Benjamin Blümchen, sah aber nur Bilder von Kasperlefiguren: Großmutter, Seppel, ein Polizist und einen Mann mit dunklem Vollbart (nein, kein Hipster und kein Islamist, sondern der Räuber Hotzenplotz, wie sich später herausstellen sollte). Die Kinder irritierte es nicht weiter und so zahlten wir ohne Umschweife den Eintritt an der Kasse von K.’s Puppentheater, das mit dem Slogan warb: „Der Kasperl kommt!” Ich dachte direkt an die Kasperlfiguren aus meiner Kindheit, die sogar schon meinen Vater gehört hatten und jetzt bei uns im Keller lagerten: ein Kasperl, ein Krokodil und ein Wachtmeister. Die Storyline: Das Krokodil will den Kasperl fressen, der Wachtmeister kommt und haut das Krokodil, der Kasperl macht Witze.
Die Kinder rutschten aufgeregt hin und her: „Wann kommt denn Benjamin Blümchen?” Ich wusste es nicht und antwortete deshalb diplomatisch: „Um fünf Uhr geht’s los!” „Wann ist fünf?” „In ein paar Minuten.” „Wie lange ist das?” Ich führe das an dieser Stelle mal nicht weiter aus – wer Kinder im Kindergartenalter kennt, weiß, was ich meine.
Schließlich erschien der nette junge Mann, der uns die Karten verkauft hatte, vor dem Vorhang und begrüßte uns. Er wies die Kinder darauf hin, dass er mit Puppen spiele und die Kinder keine Angst haben müssten, denn die Puppen könnten während der Aufführung nicht von der Bühne herunter. „Ich hab nie Angst!”, schrie ein Junge in der ersten Reihe. Pff, dachte ich. Du kleiner Angeber.
Das Licht ging aus, hinter dem Vorhang sprach der nette junge Mann mit alberner Stimme darüber, dass er, der Kasperl, verschlafen habe, dabei sei doch heute Gretels Geburtstag und außerdem komme sein Freund, Benjamin Blümchen zu Besuch. Aha!

Das Stück nahm seinen Lauf. Der Kasperl mit der langen Nase und den buten Hosen machte alberne Witze und die Kinder brüllten vor Lachen. Als Kasperls Großmutter beim Rennen ein Pups entfuhr (Fäkalwitze sind bei Kindergartenkindern ganz hoch im Kurs!), fiel meine Tochter vor lauter Kichern fast von der Bank. Nachdem der Räuber Hotzenplotz Großmutters Einkaufskörbchen gestohlen hatte, kreischten sämtliche Kinder im Zelt derart laut auf, um dem Kasperl zu berichten, was geschehen war, dass ich mir Taschentuchstücke in die Ohren stopfte. Und hier kam nun auch endlich Benjamin Blümchen ins Spiel: er wollte Kasperl ja besuchen und hat ihm dann quasi in einem Abwasch mal eben geholfen, den Räuber Hotzenplotz festzunehmen und das Einkaufskörbchen der Großmutter zurückzuholen.

Dieselbe Geschichte hätte natürlich genau so auch ohne Benjamin Blümchen ablaufen können, aber: Hätte ein Bild des Kasperls ähnliche Reaktionen hervorgerufen, wie der berühmte Elefant? „Mama, da ist der Kasperl!” Ich denke nicht.
Mein Fazit des gestrigen Nachmittags: Ein brillanter Werbeschachzug, ein toller Puppenspieler und drei glückliche, zufriedene Kinder plus zwei knapp am Hörsturz vorbeigeschrappte Mütter.
Gern wieder!

3 Kommentare zu „„Kinder, seid ihr alle da?“

  1. Schöne Geschichte. Das erinnert mich an die Zeit, als meine Kinder noch klein waren. Ich habe seinerzeit ein Kaspertheater selber gebaut und mußte, wann imm er ging, für die ganze Nachbarschaft „den Kasper“ machen. War eine schöne Zeit.
    LG Jürgen

    Gefällt 1 Person

    1. Danke. Ja, das glaube ich, dass das den Kindern gefallen hat. Ich war auch erstaunt, wie sehr unsere Kinder „mitgegangen“ sind, obwohl es wirklich eine ganz einfache, altmodische Geschichte war. Danke, dass du deine Erinnerung geteilt hast. LG

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